Spaziergang durch Arezzo und seinen Antiquitätenmarkt


Text: Barbara de Mars   •   Bilder: Barbara de Mars

© Barbara de Mars

Am ersten Sonntag eines jeden Monats ist in Arezzo Antiquitätenmarkt – der älteste und immer noch größte Italiens. An die 300 Händler bieten im Zentrum um die Piazza Grande und den Corso alles an, was Omas Dachboden hergibt: von alten Grammophonen und Comics, über Jugendstilmöbel bis hin zu Schmuck. Und die Zahl der professionellen Antiquitätenhändler steigt immer weiter, im Augenblick sind 17 Geschäfte auf dem bunten Flohmarkt präsent.

Ich parke an der Stadtmauer bei den „scale mobili“, den Rolltreppen. Unter den abgestellten Autos sind auch viele deutsche Nummernschilder zu sehen. Von hier aus gelangt man am bequemsten in die höher gelegene Altstadt. Im Vergleich zu Florenz ist Arezzo viel gemächlicher, wenn man will auch verschlafener, hat aber eine unglaubliche Menge an Sehenswürdigkeiten zu bieten.

Kein Wunder bei seiner 2500jährigen Geschichte, da kommt einiges zusammen. Und noch ein Pluspunkt: Man kann die größtenteils autofreie Altstadt zu Fuß in einer halben Stunde durchqueren. Die Rolltreppen bringen mich direkt an den Dom, eines der Wahrzeichen der Stadt. Es brauchte 700 Jahre bis zu seiner Vollendung. Gleich neben dem Dom befindet sich „il prato“, die Wiese. Hier spazieren die Aretiner gerne durch die Anlage, vorbei am faschistisch-monumentalen Petrarca und an der Medici-Festung aus dem 16. Jahrhundert. Die Stadt rühmt sich natürlich zu Recht seines Dichters Francesco Petrarca, dessen Geburtshaus man besichtigen kann. In wenigen Minuten gehe ich vom Dom zur Piazza Grande, dem zentralen trapezförmigen und ziemlich abschüssigen Platz, der schon den Römern als Forum diente und Drehort von Roberto Benignis Meisterwerk “Das Leben ist schön” war.

© Barbara de Mars

Der Antiquitätenmarkt ist heute selbst um die Mittagszeit gut besucht. Unter der Loggia von Vasari – ebenfalls einem gebürtigen Aretiner – walkt ein sympathisches Mädchen an einem Tisch vor dem Restaurant „La Lancia d’oro“ unermüdlich Nudelteig, ganz so, wie man sich eine echte italienische Mama vorstellt. Ich will jetzt noch zum Corso, der Shoppingmeile Arezzos, auf der heute natürlich auch Antiquitätenstände aufgebaut sind.

Die hochwertigsten Sachen findet man auf der Piazza Grande und am Dom, auf dem Corso sind eher Nippes und Kleinigkeiten, wie Comics, Bücher oder Schallplatten, zu finden. Trotzdem sollte man immer ein wachsames Auge auf die Stücke werfen, man weiß ja nie: Vor Jahren stand einmal ein echter Caravaggio unter den Bildern – heißt es. Langsam füllt sich der Corso, und die einheimischen Familien beginnen ihre nachmittägliche „vasca“, das „Bad“ in der Menge auf der Flaniermeile.

Der Antiquitätenmarkt zieht pro Monat zwischen 20.000 und 30.000 Besucher an. Die populärsten Monate sind September und November.

Barbara de Mars lebt seit 15 Jahren in Italien, 12 davon im Valdarno. Sie macht Destinationsmarketing für den Valdarno und schreibt in verschiedenen Medien und in ihrem Blog valdarno365.de über diese Region.

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