Die Kunst des Puparo


Text: Nicoletta De Rossi      Bilder: Francesco Salamanca

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Seit 50 Jahren begeistert Francesco Salamanca die sizilianischen Kinder und die Sammler der ganzen Welt mit seinen Pupi – im Gespräch mit einem der letzten Pupari Siziliens.

Die Pupari sind die Schöpfer der wunderbaren Puppen, die den Kindern seit Jahrhunderten die Heldentaten der französischen Paladine im typisch sizilianischen Marionettentheater (Teatro dei Pupi) erzählen. Francesco Salamanca ist einer der letzten Pupari überhaupt. Als Puparo arbeitet er, seitdem er ein Kind ist. 1965 bauten sein Vater und sein Onkel den ersten Pupo aus Blech: Der kleine Francesco war davon so fasziniert, dass er mit seinem Vater die alten Pupari seiner Stadt Catania besuchte, bis es ihm gelang, in der Werkstatt des alten, bekannten Puparo-Meister Emilio Musumeci als Lehrling aufgenommen zu werden. Ab diesem Moment gab es in seinem Leben nur Roland, Angelika und die vielen Ritter von Karl dem Großen. In seinem Atelier arbeitet heute die ganze Familie an der Herstellung dieser wunderschönen Marionetten.

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Feinste Handwerkarbeit
Diese anspruchsvolle und faszinierende Kunst wird traditionell von Vater zu Sohn übertragen, da „die vielen Techniken sehr unterschiedlich sind, und die entsprechende Ausbildung jahrelang dauert“, erklärt Salamanca. In seinem Atelier wird jeder Pupo nach exklusiven Zeichnungen mit viel Leidenschaft und Können handwerklich hergestellt. Die Rohmaterialien, wie zum Beispiel die Metalle, verwandeln sich während der verschiedenen Arbeitsschritte in Schwerter und Ritterrüstungen – denn alles wird ausschließlich und rigoros handgearbeitet.

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„Meine Schwiegertochter Noa entwickelt die Kostüme, während meine Frau Angioletta die Pupi anzieht. Für die Kleidungsstücke verwendet sie ausschließlich natürliche Stoffe, wie Brokat aus Seide, Damast, Leinen und Jute. Alles wird liebevoll maßgeschneidert und mit Perlen und Schmuck verziert, insbesondere die Kostüme der Damen, wie Angelika“, erzählt Signor Francesco. Die Pupi von Salamanca werden sowohl fürs Marionettentheater als auch für Sammler hergestellt. „Es gibt Liebhaber, auch aus dem Ausland, die unsere Pupi seit Jahren bestellen“, erzählt Salamanca mit Stolz. Seine Pupi sind so geschätzt, dass sie auch im Kino, in Opernhäusern und bei Kulturinstituten ausgestellt werden.
Im Saal herrscht absolute Stille, nur das Marionettentheater ist beleuchtet. Die Kinder hören dem Erzähler mit viel Aufmerksamkeit und voller Erwartung zu: Dann geht der rote Vorhang endlich hoch, und das Spektakel beginnt.