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Triest muss entdeckt werden


Text: Ulrike Rauh   •    Bilder: Sylvia Pastres

Triest @NDR_2

Ich besuchte die Stadt an der Adria nicht zum ersten Mal – von der etwa 67 Prozent der Italiener nicht wussten, dass sie zu Italien gehört, wie eine Umfrage 1999 ergab. Etwa weil die Stadt bis 1918 600 Jahre Teil des Habsburger Reichs war? Die Architektur Österreichs ist überall deutlich zu sehen, nicht nur auf der Piazza dell’Unità d’Italia, die  mit ihren prächtigen weißen Palästen, berühmten Cafés und dem offenen Blick auf den Golf mit zu den schönsten Plätzen gehört, die ich in Italien kenne.
Triest ist vor allem stolz auf seine Literaten: Italo Svevo, James Joyce (er lebte etwa 15 Jahre in Triest) und Umberto Saba, dessen Buchantiquariat ich in der Via San Nicolò 30 an einem sehr heißen Samstagvormittag im August entdeckte – und es war geöffnet. Hinter unzähligen dicht gefüllten, hohen Bücherregalen von der Decke bis zum Boden kam Mario Cerne hervor, der Sohn von Sabas Kompagnon Carlo Cerne, der die  Buchhandlung nach dem Tod des Autors weitergeführt hatte. Und nach Carlos Tod übernahm sie sein Sohn Mario, ein überaus freundlicher, älterer Herr mit sehr wachem, klarem Blick. Lange unterhielten wir uns über die wechselvolle Geschichte dieser Stadt  und ihre verschiedenen Volksgruppen. Und er schrieb mir eine Widmung in das liebevoll gestaltete Buch „Trieste“, mit Sabas Gedicht „Trieste“, übersetzt in 16 Sprachen.

Triest James Joyce@NDR_2
Triest Umberto Saba @NDR_2

Die Nürnberger Autorin Ulrike Rauh hat mit dem Verlag Wiesenburg einige Bücher über italienische Städte veröffentlicht, darunter Verona, Venedig, Rom und Neapel.

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