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Muggia: ein Löwe auf der Piazza


Text & Bilder: Ulrike Rauh

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Nicht nur um der Hitze Triests zu entfliehen, fuhr ich mit dem Schiff „Delfino Verde“ hinüber nach Muggia. Ich war neugierig auf jenes Hafenstädtchen Istriens, das als letzter Ort der Halbinsel noch zu Italien gehört.

Durch das Tor der einstigen Stadtmauer erreiche ich den kleinen Fischerhafen mit seinen bunten Booten und schwarzen Netzen. Ich folge dem Kirchturm des gotischen Doms, erbaut aus weißem „Karstmarmor“. Von großer Anmut ist die Rosette mit dem Relief einer Madonna mit Kind auf der schlichten Fassade. Im Innenraum dieser dreischiffigen Kirche auf der Piazza Guglielmo Marconi sehe ich Reste von Fresken aus dem 15. Jahrhundert. Die Cafés  auf der Piazza sind voll besetzt. Ich bestelle einen Espresso, schaue den Einheimischen zu, wie sie sich lebhaft unterhalten, den Touristen, die stumm fotografieren. Dann erst erkenne ich auf der gelben Fassade des Rathauses ein Relief, das meine Neugier weckt. Rasch eile ich hinüber und sehe zu meiner großen Überraschung einen geflügelten venezianischen Löwen mit dem geschlossenen Buch: Eine sehr seltenen Darstellung, die auf kriegerische Zeiten weist. Langsam versinkt Muggia im Mittagsschlaf. Durch enge Gassen steige ich hinauf zur Kirche San Francesco aus dem 15. Jahrhundert, die jedoch häufig renoviert wurde. Das Besondere an ihr ist wohl die Dauerausstellung von sehr kleinen Krippen zu beiden Seiten der Kirchenbänke. Mit dem Bus fahre ich nun nach Muggia Vecchia. Und wäre jetzt ich im „richtigen“ Muggia, denn die Stadt, eine römische Siedlung, befand sich hier oben auf dem Monte San Michele und war im Mittelalter ein bedeutender Ort. In kriegerischen Auseinandersetzungen wurde er in der Mitte des 14. Jahrhunderts völlig zerstört. Unten am Hafen hatte man später ein neues Muggia gebaut. Ich bewege mich in völliger Stille, einer heißen Stille. Blicke auf den blauen Golf von Triest und auf die grünen Hügel Sloweniens.

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In der romanischen Kirche Santa Maria Assunta aus dem 12. Jahrhundert bin ich die einzige Besucherin. Erstaunt blicke ich auf die zahlreichen Fresken, deren Farben  noch gut erhalten sind, und auf eine auffallende Kanzel. Hier wurde ein Ambo mit Lesepult auf Säulen gestellt, wodurch eine Kanzel entstand, zu der kleine steinerne Stufen führen. Im Archäologischen Park um die Kirche gibt es nur Mäuerchen zu sehen. Es fällt mir schwer, hier ehemalige Gebäude zu erkennen. Auf Schautafeln werden jedoch die Ausgrabungen erklärt und mit Zeichnungen erläutert. Langsam gehe ich zurück zur Bushaltestelle und lausche dabei dem gleichmäßigen Ton der Zikaden.

Die Nürnberger Autorin Ulrike Rauh hat mit dem Verlag Wiesenburg einige Bücher über italienische Städte veröffentlicht, darunter Verona, Venedig, Rom und Neapel.

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