Deutsche Sprachinsel in den Dolomiten: Cima Sappada


Text und Bilder: Nicoletta De Rossi

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In Cima Sappada angekommen, denkt man, dass die Zeit stehen geblieben ist. In dieser Gegen im äußersten Norden der Region Friaul-Julisch Venetien ist noch die deutsche Sprache zuhause.

Cima Sappada liegt auf knapp 1300 Meter: Die Luft ist immer frisch und klar. Kaum jemand ist an diesem schönen Spätsommertag zu sehen, als ich das Auto in der Nähe der Kirche parke. Zwei ältere Herrschaften arbeiten gerade, in der Stille dieser Bergwelt. Hierher bin ich vom Friaul kommend, über di SS. 335 gefahren, welche die Regionen Veneto und Friaul verbindet.
Gepflegt und mit bunten Geranientöpfen sind die Balkone der niedlichen Häuser im typisch alpinen Stil geschmückt. Die ganze Atmosphäre kommt mir sehr familiär vor; es hängt aber nicht nur von dem Baustil oder der Berglandschaft ab. Es ist etwas mehr. Die ältere Dame und der ältere Mann unterhalten sich: Da kein Geräusch ringsum zu hören ist, bekomme ich etwas von ihrer Unterhaltung mit. Ich verstehe sie nicht, aber der Satzbau ist mir vertraut, denn die aus dem heutigen Tirol und Kärnten stammende Bevölkerung spricht hier einen alten urtümlichen bayerisch-tirolerischen Dialekt! Vor einem Haus sitzen sympathische Puppen aus Heu in Menschengröße. Ein Schild an der Holzwand erklärt, dass sie die Protagonisten der Kinderreime dieser Gegend verkörpern. Je länger man hier oben bleibt, desto schneller nimmt man Abstand vom stressigen Alltag und glaubt sogar, Teil eines Märchens geworden zu sein. Kein Wunder, dass diese Gegend auch wegen ihrer traditionellen Karnevalszeit bekannt ist: Dann wird der Rollat zur Hauptmaske der „Plodner Fasnacht“ mit ihrer vielen Umzügen.
Der Tag geht langsam zu Ende, und die Schatten werden länger. Ich schaue mich noch einmal um, dann fahre ich weiter nach unten: Im Talgrund liegt das schöne Plodn.

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www.sappadadolomiti.com
Cima Sappada, das zur kleinen Alpinstadt Sappada (Plodn) gehört, liegt in der Region Friaul-Julisch Venetien, südlich von Osttirol und Kärnten, in der Provinz Udine.

TIPPS
Im Sommer kann man in Cima Sappada das ethnografische Museum Maestro Giuseppe Fontana besuchen, in dem Informationen über die alten Bauerntraditionen und die Faschingsriten dieser Gegend bekommen kann.

Der „Rollat“, die typische uralte Figur der Plodner Karnevalszeit, bekommt seine Namen aus den „Rollen“, schweren und lauten Eisenkugeln, die er an einer Kette hinter sich herzieht.