Triest: Schmelztiegel der Kulturen


Text & Bilder: Sylvia Pastres

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In Triest, der Vielvölkerstadt an der Adria, findet jeder ein Stück seiner Heimat wieder.

Wir sitzen an der Piazza dell’Unità d‘Italia in Triest und genießen die leichte Brise bei einem caffè. Wer hier – auf einem der größten Plätze Italiens – das typisch italienische Flair erleben möchte, trifft auf die Spuren verschiedenster Völker: In der Grenzstadt haben sich Jahrhunderte lang italienische, österreichische und slawische Kultur gegenseitig bereichert. Zusammen haben sie zum Bild der Vielvölkerstadt beigetragen.
Bei einem Spaziergang entlang der Wasserstraße Canal Grande entdeckt man Fischerboote, die nur bei Ebbe unter der Brücke aufs Meer fahren können. Im Hintergrund thront die bombastische, neoklassizistische Kirche Sant’Antonio Nuovo und rechter Hand erkennt man die Kuppeln der serbisch-orthodoxen Kirche San Spiridione mit ihren byzantinischen Mosaiken. Unterschiedliche Wurzeln findet man überall in der Hafenstadt: Ob auch die Geschmäcker der Triester verschieden zum Rest des Belpaese sind? Zumindest an Originalität fehlt es hier nicht. Die Triester haben sogar einen eigenen Wortschatz in Sachen Kaffee entwickelt: Den Espresso nennt man nero, möchte man einen Cappuccino, bestellt man einen caffelatte, und ein Caffè Macchiato heißt capo.

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Hinter nostalgischen Kulissen
Zwischen imposanten und prächtigen neoklassizistischen Palazzi aus dem goldenen Zeitalter der k. u. k. Monarchie zu flanieren, hat einen melancholischen Charme. Auf der Piazza Oberdan nehmen wir die alte Straßenbahn Linie 2. Sie fährt den Hügel hoch bis zum Stadtteil Villa Opicina. Die Fahrt auf den hölzernen Sitzplätzen ist ein Erlebnis und gehört zum touristischen Pflichtprogramm. Von oben wird man mit einem atemberaubenden Panorama belohnt.
Hinter den alten Resten eines römischen Forums erheben sich die Wahrzeichen der Stadt: das Castello und die Kirche San Giusto. Wir steigen die steilen Treppen der Via della Cattedrale bergab und begeben uns wieder Richtung Piazza dell’Unità d’Italia, wo das Herz der Stadt pulsiert. Vorbei am Teatro Romano entdecken wir hinter dem mächtigen Palast des Rathhauses das alte Ghetto mit seinen Antiquitätenläden: In den Schaufenstern sind neben wertvollen Kunst- und Schmuckobjekten auch einfache Alltagsobjekte zu finden – und wir müssen dabei unwillkürlich an die Läden des Ghetto in Venedig denken. Im alten, gründlich sanierten Viertel Cavana – der eigentlichen Città Vecchia – erinnert dann alles an die Serenissima: Architektur, Gerüche und Düfte. Seit der Sanierung ist dieser Stadtteil lebendiger geworden: Junge Leute treffen sich gegen Abend in den typischen Kneipen. Auf der Piazza Hortis begegnen wir der Statue des Schriftstellers Italo Svevo; zwei ähnliche Bronzenstatuen, die von James Joyce auf der Brücke von Canal Grande und die von Umberto Saba in der Via San Nicolò, beweisen die Lebendigkeit der Kulturszene der Stadt im vergangenen Jahrhundert. In den traditionellen Kaffeehäusern, wie dem Caffè degli Specchi an der Piazza dell’Unità d’Italia, trafen sich Künstler und Patrioten, debattierten über Politik und Kultur und träumten von einer besseren Zukunft. Auch wir werden ein bisschen träumerisch, als wir uns von der Hafenstadt beim spektakulären Sonnenuntergang am Molo Audace verabschieden.

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TIPP
Der Piazza dell’Unità d’Italia gegenüber liegt der Molo Audace: Von hier aus hat man einen großartigen Panoramablick auf die ganze Stadt.

Grand Hotel Duchi d’Aosta
www.duchi.eu
Das 1873 vom Architekten Geiringer erbaute 4-Sterne-Komfort-Hotel liegt mitten in der Piazza dell’Unità d’Italia und verfügt über stillvoll eingerichtete Zimmer und Suiten. Zur Verfügung der Gäste steht auch das Thermarium Magnum, ein 30°C warmer Pool mit Gegenstromanlagen, Massagedüsen und Wasserfall. In Restaurant Harry’s Grill genießt man neben den ausgezeichneten Menüs auch einen wunderschönen Blick auf die imposante Piazza.

Caffè degli Specchi
www.caffespecchi.it
Im historischen Kaffeehaus aus dem Jahre 1839 entdeckt man die Vielfalt des Kaffees – mit Blick auf Piazza dell’Unità d’Italia.