Salerno – die quirlige Unbekannte


Text: Susanne Wess •   Bilder: EPT & Susanne Wess

Duomo entrata Kopie_2

Jedermann kennt Neapel, Capri, Sorrent und die Amalfiküste. Aber Salerno? Selbst vielen Italienliebhabern ist die Stadt am gleichnamigen Golf nach wie vor unbekannt. Zu viele Juwelen liegen wohl in nächster Umgebung, so dass Reisende die Hafenmetropole meist vernachlässigen. Und das völlig zu unrecht. Denn Salerno ist nicht nur ein idealer Ausgangspunkt für Ausflüge an die Costiera Amalfitana, zu den Inseln und in den Cilento. Auch in der Stadt selbst gibt es einiges zu entdecken.

Erst in den 1990er Jahren wurde der Stadtkern der Provinzhauptstadt Salerno saniert und die Spätfolgen des schweren Erdbebens von 1980 beseitigt. Und siehe da, was für eine wunderbare Perle hier erneut zum Vorschein kam. Wer etwa mit dem Zug aus Neapel ankommt, der hat gleich für eine erste Besichtigungstour die Qual der Wahl: entweder an der palmengesäumten breiten Uferpromenade, dem zwei Kilometer langen Lungomare Trieste, entlangschlendern und den Blick auf die Monti Lattari und das auf 300 Metern Höhe über der Stadt thronende mittelalterliche Castello Arechi genießen. Oder aber auf dem Corso Vittorio Emanuele die quirlige Fußgängerzone erkunden und sich durch das Gewirr der schmalen Altstadtgassen treiben lassen. Beides hat seinen Reiz, und am Ende trifft man sich ohnehin dort, wo es die meisten Salernitaner am Wochenende oder in den freien Stunden eines Arbeitstages hinzieht: am breiten Stadtstrand. Und zwar am Chiosco di Santa Teresa, um auf der Holzterrasse oder an einem der kleinen Bartische einen starken Espresso oder ein Glas Wein zu genießen.

© EPT
© EPT
© EPT
© EPT
© EPT
© EPT
© EPT
© EPT

Wir entscheiden uns für zweiteres und erkunden erst einmal das Herz der 130.000-Einwohner-Stadt, den Dom. Die Kathedrale von San Matteo wurde 1076-1085 vom Normannen Robert Guiscard erbaut und von Papst Gregor VII. geweiht. Sie verfügt über eine bedeutende unterirdische Krypta mit Kreuzgewölbe und ist in ihrer Bauweise der Abtei von Montecassino nachempfunden. Hier mitten im Centro Storico dominiert sie das Gewirr aus Piazze, Gässchen und Palazzi.

Altstadtgasse_2
Via dei Mercanti_2
Keramik-Kunsthandwerk_2

Wir laufen von hier schnurstracks weiter, der Corso wird zur schmalen Via dei Mercanti. Wie eine Kulisse aus einem alten De-Sica-Film reihen sich traditionelle Handwerksbetrieben mit Keramik-, Leder- und Schnitzkunst sowie kleine Läden des täglichen Bedarfs aneinander und führen uns direkt zu einer Institution, die Salerno bereits im 7. Jh. berühmt gemacht hat, der Scuola Medica Salernitana, der ältesten medizinischen Universität der Welt. Von hier zieht es uns hinunter Richtung Lungomare vorbei an der Kirche San Giorgio, dem prachtvollen, 1872 eingeweihten Opernhaus Teatro Verdi und dem gepflegten Stadtpark, der Villa Comunale. Hier kommen wir nicht umhin, an dem seit Jahrzehnten bestehenden Kiosk halt zu machen und eine hausgemachte Granita di Limone zu verspeisen – eine köstlich-kühle Erfrischung. Genau das Richtige, um die letzte Etappe unseres Spaziergangs fortzusetzen, und zwar zu einer der modernsten architektonischen Kreationen der Stadt, der neuen Hafenanlage am Molo Manfredi. Die von Stararchitektin Zaha Hadid konzipierte Hafenstruktur wurde am 25. April 2016 eingeweiht und verbindet nicht nur den Hafen mit dem Lungomare Trieste, sondern auch Moderne und Tradition miteinander. Möge auch dieser neue Hafen der wunderschönen Unbekannten am Tyrrhenischen Meer viele neue Besucher bescheren.

Guide Francesca mit Granita al limone in der Villa Comunale_2
Madonnenbild_2
Villa Comunale_2
© EPT
© EPT

Plaza Hotel
Das klassische familiengeführte 3-Sterne-Haus liegt 2 Gehminuten vom Bahnhof und 5 vom Touristenhafen an der Piazza Concordia entfernt, direkt am Beginn der Fußgängerzone. Hotelier Gaetano Schiavo ist gebürtiger Salernitaner und ein Ausbund an Tipps zu seiner Heimatstadt, die er gerne mit seinen Gästen teilt.
www.plazasalerno.it

Pontile Ventura
Das kleine, neu eröffnete Lokal in der Nähe des Marineclubs hat sich auf verfeinerte salernitanische Fischküche spezialisiert.  Die Spaghetti alle Vongole oder die Pasta mit See-Igeln und dazu ein gepflegter und gut gekühlter Fiano di Avellino sind ein mediterraner Hochgenuss. Unbedingt einen der vorderen Tische auf der Terrasse reservieren.
Via Porto 47, Tel. 0039-089-2574280
http://www.pontiliventura.it/

Pizzeria La Smorfia
Mitten im Gewirr der Altstadtgassen liegt eine der besten Holzofenpizzerien der Stadt: Die Variante mit Büffelmozzarella ist ein Muss.
Via Masuccio Salernitano 21, Tel. 0039-089-3180209


Das könnte Sie auch interessieren