Turin – neu entdeckt


Text: Eva-Maria Koch    •    Bilder: DMO Piemonte Marketing

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Auf die Frage „Kennen Sie Turin?“ antworten viele „Ja, von der Durchreise!“ Das Klischee, Turin sei nur eine Autoindustriestadt, hat sich in den Köpfen vieler eingeprägt. Eine Entdeckungstour in die ehemalige italienische Königsstadt ist damit notwendig.

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Nach einem guten Frühstück starten wir den historischen Rundgang durch das centro antico von Turin und beginnen mit dem Dom San Giovanni, in dem das heilige Leichentuch Christi aufbewahrt wird. Es wird nur zu besonderen Anlässen im Original ausgestellt – zu sehen ist im Dom eine Kopie. Unsere Führerin Emanuela erklärt uns die Geschichte des Grabtuchs und endlich sehe ich Christus plastisch vor mir. Das Grabtuch als solches ist von Brandflecken verunstaltet und erst durch das Negativ einer Fotografie, die ein Turiner Anwalt fertigte, ist Christus zu sehen. Die Wissenschaft streitet sich heftig, ob es original sei. Die Befürworter haben derzeit die Oberhand – es wird wohl eine „Never ending-story“ bleiben. Für mich ist es Christus und es ist erstaunlich, ihn endlich einmal zu sehen.

Wir gehen weiter zum Palazzo Reale (reale heißt königlich) und Emanuela zeigt uns als erstes das Café Reale, in dem Silbergeschirr in den Glasvitrinen an den Wänden aufbewahrt wird. Wir durchwandern die Piazzetta Reale in Richtung des Palazzo Madama: In der königliche Bibliothek werden Zeichnungen Leonardo da Vincis aufbewahrt und so sieht geheimnisvoll aus, wie aus einem Harry-Potter-Film entliehen. Der Palazzo Madama, ehemaliger Sitz der Savoyer, mit einer kunstvoll geschwungenen repräsentativen Treppe beherbergt heute ein Kunstmuseum. Unbedingt anzuschauen ist auch der kostbare venezianische Leuchter, der im Bookshop hängt! Den nächsten Leuchter dieser Art sehen wir anschließend im Café San Carlo, ein über und über mit Gold und Stuck dekoriertes barockes Café, wo wir einen Espresso nehmen.

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Schokolade und caffè
Wir bummeln weiter durch die Fußgängerzonen mit ihren Arkaden und französischer Architektur, verweilen in dem einen oder anderen Spezialitätenladen. Ein Chocolatier verkauft uns mit einem Sonderpreis die delikaten Gianduiotto-Pralinen. Turin ist die Traditionsstadt der Schokolade! Unsere Schokoladennase führt uns direkt ins Café Bicerin: Hier wird das Bicerin-Getränk serviert, Schokolade mit Kaffee und Milchschaum und Gianduiotto. Nur im Café Bicerin gibt es den echten „Bicerin“ – in den anderen Cafés schmeckt er angeblich nicht echt. Wir besichtigen noch die Kirche San Lorenzo, der von den Turinern wegen ihrer üppigen barocken Pracht der Vorzug gegeben wird. Der Nachmittag beginnt mit dem Besuch der Mole Antonelliana, dem Wahrzeichen Turins.

Als Synagoge konzipiert wuchs der Bau von Stararchitekten derart, dass die Juden ihn als Synagoge nicht mehr haben wollten. Die Stadt übernahm den Bau und zusammen mit dem Tour Eiffel, der genauso hoch ist, wurde er zu einem der Wahrzeichen Europas. Von der Mole hat man einen wunderschönen Blick über Turin hin zu den Westalpen, welche die Stadt umgeben. In der Mole selbst ist ein beeindruckendes, sehenswertes Kinomuseum untergebracht.
Es ist noch Zeit für einen Bicerin – schließlich muss ich Original und Fälschung kennenlernen! Voll von guten Eindrücken besteigen wir unseren Flieger, aber es gäbe noch so viel anzuschauen: das ägyptische Museum (das größte Europas), das Martini-Museum, das Auto-Museum, Schlösser, Gärten, ganz zu schweigen von der Turiner Oper – Turin ist nicht nur eine Reise wert!

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