Timo Lutz: Sardinien, Piemont und vieles mehr


Text: Nicoletta De Rossi    •    Bilder: Timo Lutz, privat

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Das Meer Sardiniens und manche Orte in Piemont spielen eine große Rolle im Leben des Autors Timo Lutz – entdecken wir warum.

Der Autor, Journalist und Fotograf Timo Lutz ist in der Nähe von Stuttgart geboren, aber lebt seit vielen Jahren auf Sardinien. Von Schwaben nach Sardinien: Wie konnte das passieren?
„Nach meiner Abi-Fahrt 1996 nach Rom war es für mich um Italien geschehen. Ein paar Jahre später verschlug es mich zum Sprachkurs nach Palermo, dann zum Erasmus-Studienjahr nach Sardinien: Es sollte eigentlich nur ein relaxtes Studienjahr in Meeresnähe werden. Das war 2001.“ Daher ist ziemlich klar, dass seine Lieblingsregion in Italien seine Wahlheimat Sardinien ist! „Ja, Sardinien! Am liebsten am Meer und am besten früh am Morgen und an der Ostküste. Ein wirklich magischer Ort ist die Küste von Coccorrocci mit ihrer Marslandschaft, dahingewürfelten und rundgeschliffenen Granitblöcken. Am schönsten ist es hier früh morgens im Juli, wenn die Luft noch frisch ist, der rote Porphyr in der aufgehenden Sonne leuchtet, die Elicrisio-Sträucher ihren würzigen Sommerduft versprühen und die rollenden Sandkiesel sanft in den Wellen rattern.“

Auch das Forum Romanum in Rom gehört zu seinen Favoriten. Als er in seiner Schulzeit Latein-Vokabeln pauken und den Ablativus Absolutus büffeln musste, konnte er sich nur schwer vorstellen, wo Cäsar & Co. ihre großen Reden hielten. „Doch hier, vor der Rednerbühne der Rostra, der mit Rammspornen erbeuteter Kriegsschiffe übersät war, spürt man es hautnah: Das riesige Forum mit seinen Ruinen und Steinen war einmal der Nabel der Welt“, erzählt Lutz konzentriert. Eine besondere Beziehung hat Lutz auch zu einer kleinen Kapelle in den Bergen Piemonts. „Ein ganz besonderer Glücksort ist für mich die kleine Bergkapelle von San Bernardo am Rande der Alpen im Naturpark Zegna in der Provinz Biella, an der ich zu meiner ersten Piemont-Reise innehielt. Was hier früh am Morgen vor einem liegt, die unendliche Weite der Pianura Padana, die sich am Po entlang bis in die Lombardei zieht, mittendrin die stolze Residenzstadt Turin mit ihren angeberischen Schlössern und die unendlich scheinenden Reisfelder von Novara und Vercelli: Das ist für mich das ganz andere Italien, geschäftig und so gegensätzlich zu meiner Wahlheimat im mediterranen Süden,“ behauptet der gebürtige Schwabe.

Sto arrivando und sto uscendo
Ob er nach so vielen Jahren Sardinien auch einen beliebten italienischen Ausdruck hat? Viel mehr als ein Wort: Er würde Italien mit einem grammatikalischen Ausdruck beschreiben: Das „stare“ mit gerundio, wie beispielsweise „sto arrivando“. „Diese Form würden wir im Deutschen mit „Ich komme gleich“ übersetzen. Die italienische Bedeutung ist aber viel umfassender: „Ich muss noch dieses und jenes erledigen, bevor ich dann gleich irgendwann mal vorbeikomme!“ dabei schmunzelt er und ergänzt: „Die Form „sto uscendo“ (Ich gehe gerade aus dem Haus) heißt „Ich muss noch kurz aufräumen, duschen, mich fertigmachen, meinen Schlüssel suchen und warten bis mein Telefon zu 20% aufgeladen ist, dann gehe ich aus dem Haus, bin aber eigentlich schon unterwegs. Jedem Italiener ist das Konzept dahinter völlig klar, als Deutscher muss man sich daran erst einmal gewöhnen.“ Sechszehn Jahre Sardinien hinterlassen ihre Spuren: Timo Lutz hat den italienischen Sinn perfekt interpretiert!

Timo Lutz recherchiert, fotografiert, wandert und schreibt hauptberuflich für die Online-Reisemagazine www.sardinien.com und www.korsika.fr. Aus seiner Feder stammt „Merian live! Korsika 2015“ (2017 in 3. Auflage erschienen). 2016 folgt der Merian Live! Reiseführer Piemont, 2017 die Überarbeitung von Merian Live! Nizza. Zurzeit arbeitet er für den Verlag Fred & Otto Hund Buch Berlin an einem Hundreiseführer für Sardinien und baut das neue Reiseportal www.meinsizilien.de auf (2018).