Die Menschlichkeit der Italiener und die Liebe zur Toskana


Text: Nicoletta De Rossi    •    Bilder: Barbara de Mars, © Paolo Pelli

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Schon lange lebt die Autorin Barbara de Mars in ihrer geliebten Toskana. Was sie besonders bewegt, ist die Menschlichkeit der Italiener.

Barbara de Mars könnte man inzwischen fast für eine waschechte Toskanerin halten, denn wenn man sich mit ihr auf Italienisch unterhält, kommt sofort der unverwechselbare toskanische Akzent, den zum Bespiel Norditalienerin wie ich niemals nachahmen können. Eine besondere Faszination scheint dieses Gegend Italiens auf sie auszuüben, da sie bereits seit 20 Jahren dort lebt. Deshalb fragen wir die Autorin was das Besondere an der Toskana ist. „Die Toskana ist eine einzigartige Mischung, aus Einfachheit und Raffinesse, was einfach nur schön ist. Die Küche lebt von einfachsten Zutaten, die mit viel Geduld und Hingabe zu kulinarischen Leckerbissen werden.

Landschaft und Architektur sind ästhetisch und dabei doch auch funktional. Es wundert mich nicht, dass die Renaissance hier begann.“ Nach dieser Liebeserklärung ist es wohl zu vermuten, dass sich auch ihr italienischer Lieblingsort in der Heimat von Dante Alighieri befindet. Sie nennt aber als erstes das Pantheon in Rom und erst danach das Baptisterium von Florenz. „Oder auch die Abtei San Galgano in Chiusdino oder – um einen unbekannten Ort zu nennen – die einfache romanische Pfarrkirche von Gropina bei Loro Ciuffenna, wo in der Antike schon ein Dianatempel gestanden haben soll,“ fügt de Mars hinzu.

Barbara de Mars studierte in München Germanistik, Internationales Recht, Theaterwissenschaften und Medienmarketing. Seit fast zwanzig Jahren lebt sie im „goldenen Dreieck“ der Toskana zwischen Florenz, Arezzo und Siena und schreibt für deutschsprachige und italienische Medien, veranstaltet Seminare, leitet Tourismusbüros bei Florenz und veröffentlicht den Blog www.valdarno365.de Beim Picus Verlag erschien zuletzt ihr Buch “Lesereise Florenz”.

Faszination Italien: Land und Leute
Jetzt möchten wir aber mehr wissen und fragen sie direkt: „Was fasziniert Sie an Italien und warum?“ „Mich faszinieren Land und Leute. Wie die Menschen mit dem Flecken wo sie leben verwurzelt sind, wie sehr sie sich ihm verbunden fühlen. Ohne sich dabei wirklich als Nation zu verstehen – es sei denn, bei der Fußballweltmeisterschaft spielt Italien gegen Deutschland. Mich bewegt die Menschlichkeit der Italiener. Um den Verleger Klaus Wagenbach zu zitieren, der einmal an die Worte des deutschen Gelehrten Victor Hehn erinnerte:“Ebensowenig ist der Italiener durch Amt, Stand, Beschäftigung zu einem bloßen Fragment gemacht. Solche verhockten, verkümmerten, in Akten- und Bücherstaub verdorrten, in Handwerks- und Gewerbebanden verkrüppelten Halb- und Viertelmenschen wie bei uns trifft man in Italien nirgends. Der Italiener, er treibe welches Geschäft er wolle, bleibt immer ein voller und ganzer Mensch.“ Das wurde zwar Mitte des 19. Jahrhunderts gesagt, aber Italiener scheinen mir auch heute noch weniger fragmentierte Individuen.“ Die Halbinsel ist ihrer Meinung nach „poliedrica“ (vielseitig), weil es viele unterschiedliche Facetten besitzt, die untereinander gleichwertig sind. „Deshalb erschließt sich das Land und seine Kultur nicht sofort, und wer beim ersten Eindruck verharrt, landet eben beim Stereotyp und empfindet Italien als „un gran casino“, ein großes Durcheinander,“ erklärt sie.

Konsequent ist ihr Lieblingswort auf Italienisch „mannaggia!“ (verflixt): Wenn etwas nicht klappt, rutscht einem so ein Ausdruck über die Lippen. Ob Bella Italia sein touristisches Angebot verbessern könnte? In Bezug auf den Tourismus, als Wirtschaftszweig, ist es „wie die Sonne mit einer Glühbirne zu vergleichen“, meint die Autorin, weil Italien stets mehr als ein einziges „Produkt“ zu bieten hat. „Gewiss sollte man in Italien noch viel besser auf die Bedürfnisse der Besucher eingehen.“ Sie findet es schade, dass viele Sehenswürdigkeiten geschlossen sind und nicht richtig kommuniziert werden oder dass es keine angemessenen Verbindungen mit öffentlichen Verkehrsmitteln gibt. „Auf der anderen Seite wäre es schön, wenn die Touristen wieder das Reisen lernen würden. Denn schlussendlich – so jedenfalls meine Meinung – sollte es ja nicht allein darum gehen, Urlaubsziele auf einer Checkliste abzuhaken oder ein Land nur von einem Handtuch am Strand oder Pool aus zu betrachten. Vielmehr hoffe ich, dass Reisende sich für das Fremde interessieren – und somit letztlich mehr über sich selbst erfahren.“


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