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Spaziergänge in Perugia und Orvieto


Text & Bilder:  Ulrike Rauh

Bei wolkenlos blauem Himmel und wärmender Sonne konnte ich die Schönheit der Städte Perugia und Orvieto und der Landschaft Umbriens besonders genießen.

Eine Minimetro brachte mich hoch hinauf in die alte Etruskerstadt Perugia, die Hauptstadt Umbriens, bekannt  für ihre Universität. Nach dem Genuss eines ausgezeichneten Espressos in der berühmten Pasticceria Sandria bummelte ich auf dem Corso Vannucci zum Palazzo dei Priori. Dieser mächtige Palast wird aufgelockert durch seine verzierte Fassade und die große Freitreppe. Gleich in der Eingangshalle beeindrucken zwei große Bronzefiguren: ein Greif, das Wappen der Stadt Perugia und ein Löwe. Von den Sälen ist die Sala dei Notari mit ihren acht Bogen und den Wandmalereien, die Szenen aus Märchen oder Legenden, aber auch Wappen zeigen, besonders sehenswert. Einer der berühmtesten mittelalterlichen Brunnen ist die Fontana Maggiore vor dem Palast. In zauberhaften Reliefs werden im unteren Becken Szenen aus der Bibel dargestellt. Der Dom San Lorenzo gleich daneben, eine große Hallenkirche, wurde erst im 15. Jahrhundert vollendet. Mächtig erhebt sich das etruskische Stadttor Arco d’Augusto. Ähnlich hohe Bogen sehe ich wieder in den engen Gassen der eher düsteren Altstadt. Eine große Überraschung war für mich das unterirdische Perugia.

Dom Orvieto_2

Rolltreppen  brachten mich tief  hinab in eine komplette mittelalterliche Stadt unter der ehemaligen Papstfestung. Im Salzkrieg von 1540 hatte Papst Paul die Stadt zuschütten lassen und darüber seine Burganlage gebaut. Lange Gänge führen  mich zu ehemaligen Wohnungen, zu Läden und Kirchen. Es dauerte, bis ich die Ausmaße dieser unterirdischen Stadt, die nun wieder ausgegraben wird, begriffen hatte!

Orvieto Dom Saulen der Fassade_2
Gasse in Perugia_2

Wie oft schon bin ich an Orvieto vorbeigefahren und habe hinaufgeblickt zu dem Dom hoch oben auf seinem Tuffsteinfelsen?  Heute stehe ich tatsächlich vor diesem herrlichen Gebäude und bin verwundert über die schwarz-weiß gestreifte Außenmauer des Kirchenschiffs, die mich an den Dom in Siena erinnert. Völlig anders ist die Vorderseite dieses bedeutendsten gotischen Bauwerks Italiens gestaltet. Anders auch als die gotischen Kirchen und Kathedralen in Deutschland oder Frankreich. Statt hoher Türme blicke ich hier auf vier hohe Pfeiler, deren Zahl den vier Evangelisten entspricht. Harmonisch eingefügt ist die Rosette  aus dem 14. Jahrhundert.

Wunderbar zart wirken die weißen Reliefs mit Episoden aus dem Alten und Neuen Testament, wie die Schöpfungsgeschichte oder Szenen aus dem Leben Jesu. Wunderschön auch die schlanken gewundenen Säulen am Portal mit ihren verschiedensten Verzierungen. Im großartigen Innenraum des Doms wiederholen sich an den Wänden und Säulen die schwarz-weißen Marmorstreifen. Eindrucksvoll sind auch die Fresken von Signorelli in der Cappella di San Brizio mit Darstellungen des Jüngsten Gerichts. Sehr wörtlich hat er die Auferstehung gemalt: Mühsam kriechen die Menschen aus ihren Gräbern und richten sich langsam auf. Ich schlendere noch durch die schmalen Gassen Orvietos, vorbei an zahlreichen Souvenirläden mit einer Vielzahl von  Keramiktellern, Tassen, Krügen, Schalen und Schüsseln. Noch kaufe ich nichts…

Die Nürnberger Autorin Ulrike Rauh hat mit dem Verlag Wiesenburg einige Bücher über italienische Städte veröffentlicht, darunter Triest, Verona, Venedig, Rom und Neapel.

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