Syrakus: Antike und Barock miteinander vereint auf Ortigia


Text: Nicoletta De Rossi   &   Bilder: Harald G. Koch

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Kulturschätze aus unterschiedlichen Epochen schmücken die Stadt Syrakus, die seit 2005 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört – ein Spaziergang durch Ortigia.

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Früh am Morgen an einem sonnigen Wintertag in Syrakus: Himmel und Meer kann man heute früh schwer unterscheiden, denn am Horizont verlaufen beide untrennbar ineinander. Am Ponte Ubertino begrüßt mich die bronzene Statue von Archimedes, dem berühmtesten Sohn der Stadt. Ich betrete Ortigia, die Altstadt von Syrakus, eine Insel, die mit dem Stadtteil Siracusa-Neapolis durch zwei Brücken verbunden ist. Von hier aus schlendert man zum bunten und lauten Wochenmarkt, wo man fast alles kaufen kann: Obst und Gemüse, Gewürze und Kräuter, sowie allerlei Fisch und Meeresfrüchte – immer mit Blick aufs Meer. Ich laufe vorbei an den Resten des Apollon- und Artemis-Tempels, der auf das Ende des 7. Jh. v. Chr. zurückgeht: Der älteste dorische und zugleich größte Tempel des griechischen Abendlandes wurde im Laufe der Zeit zur byzantinischen Kirche, zur Moschee, zur normannischen Kirche und sogar zur Kaserne. Die moderne Shoppingmeile Corso Matteotti zieht viele Besucher an, aber faszinierender finde ich die alte Stadt, die sich parallel dazu mit ihren verwinkelten Gassen erstreckt: Hier spielen barocke Paläste ihren morbiden Charme aus.
Unerwartet und plötzlich öffnet sich die Straße und gibt den Blick auf einen weiträumigen Platz frei. Die tiefen Sonnenstrahlen blenden mich, oder sind es die barocke Gebäude aus hellem Marmor, die um den Platz stehen?
Ich drehe mich um mich herum und bin erst einmal ohne Worte: Der große Domplatz von Syrakus ist atemberaubend schön! Die delikate und scheinbar schwerlose Raffinesse des Ensembles von Kirchen und Palazzi um diesen Platz sucht ihresgleichen und überwältigt jeden Besucher. Hier, wo das Herz der Stadt schlägt, befinden sich der Palazzo del Senato (heute das Rathaus), der Dom, mit dem anschließenden Palast des Erzbischofs, der Palazzo Beneventano del Bosco und die Kirche Santa Lucia alla Badia. Ich gönne mir einen Espresso an einer Bar an diesem von wunderschönen Barockgebäuden umrahmten Platz. Eine Braut steigt aus einem mit Blumen geschmückten Auto und steigt die Treppe des Doms hinauf. Gäste und Fußgänger applaudieren und rufen laut ihre Glückwünsche aus: Viva gli sposi! Die wärmende Sonne lässt ihren langen weißen Schleier glänzen. Hinter der Barockfassade der Kathedrale versteckt sich ein antiker Tempel: Von der Via Minerva kommend erkennt man dort noch die dorischen Säulen und Kapitelle eines Athena-Tempels, der im 7. Jh. n. Chr. in eine dreischiffige Basilika umgebaut wurde. Vom Erdbeben 1693 stark beschädigt, bekam die Kirche dann ihre prunkvolle, aktuelle Barockfassade.

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Mythos und Meer
Am liebsten möchte ich ewig hier bleiben, aber die Neugierde treibt mich auf Entdeckungsreise in diese merkwürdige Stadt. Ich gehe weiter und stoße auf den Brunnen Aretusa mit seinem grünen Papyrus. Die schlanke grüne Pflanze gedeiht dank einer Süßwasserquelle, die hier an die Oberfläche kommt – das Phänomen beflügelte die Legende von der Nymphe Arethusa. Hier öffnet sich der Blick auf das Meer und den Hafen Porto Grande: Inzwischen sind Meer und Himmel deutlich voneinander zu unterscheiden. Unter den warmen Sonnenstrahlen spaziere ich auf dem wunderschönen Lungomare Alfeo und tanke Energie und positive Stimmung. Am Kap der Insel thront die Burg Maniace. Von ihren mächtigen Mauern aus hat man einen grandiosen Ausblick auf das türkisfarbene Wasser des Ionischen Meeres. Die quadratische Anlage mit ihren Ecktürmen ließ Friedrich II. zwischen 1232 und 1239 erbauen. Ein Mann schwimmt unten an der Küste entlang und ein anderer sonnt sich auf den Uferfelsen. Ich verlasse Ortigia mit der Erinnerung an eine kleine entzückende und verführerische Stadt im Herzen.

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Hotel dei Coloniali
16 gemütliche Zimmer mit reichlichem Frühstück, nur 5 Minuten zu Fuß von der Insel Ortigia entfernt.
www.hoteldeicoloniali.com

Grand Hotel Villa Politi
Historisches Hotel im raffinierten Jugendstil, in dem auch Churchill gerne verweilte; seit 1862 im Park der Latomie dei Cappuccini.
www.villapoliti.com

Hotel Principe Fitalia
Ganz in der Nähe des Meeresreservats Plemmirio bietet das moderne und luxuriöse Hotel Entspannung mit einem großen Wellnesszentrum. Sehr gutes eigenes Restaurant.

www.fitalia-wellness-hotel.it/de

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Trattoria Archimede
In der historischen Trattoria genießt man leckere Fischgerichte in einfachem Ambiente.
www.trattoriaarchimede.it

Ristorante Porta Marina
Raffinierte traditionelle Küche mit viel frischem Fisch bietet der Küchenchef Salvo di Mauro in einem Ambiente, das an ein dammuso erinnert.
www.ristoranteportamarina.135.it

Pasticceria Artale
Ein Paradies für Genießer: unvergessliche cannoli und granite.
Via Landolina 32, Tel. 0931/21829

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TIPP

Archäologischer Park
Im 240.000 m² großen Park befinden sich die wichtigsten Ausgrabungen von Syrakus aus griechischer und römischer Zeit, wie das griechische Theater aus dem 5. Jh. Hier gibt es auch einige Latomie (Steinbrüche), in denen Sklaven und Kriegsgefangene bis zum Tode schuften  müssten, um weißen Kalkstein für die Stadterweiterung zu gewinnen. In der berühmten Latomia Paradiso öffnet sich die künstliche, 65 m lange und 23 m hohe Grotte Orecchio di Dionisio (Ohr des Dionysios): Dank Echowirkung und Schallverstärkung wirkt jedes Geräusch dort viel lauter. Der Legende nach soll der Tyrann Dionysios seine Gefangenen auf diese Weise belauscht haben.

Naturreservat Plemmirio
Atemberaubende Mondlandschaft im Marinereservat Plemmirio am Leuchtturm von Capo Murro di Porco – vor allem bei Sonnenuntergang.
www.plemmirio.eu

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