Scilla – Im ewigen Kampf mit dem Fisch


Text & Bilder: Maren Recken

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In der kalabrischen Ortschaft Scilla können Touristen am Schwertfischfang auf typischen Booten teilnehmen.

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Scilla in Kalabrien kurz nach sieben Uhr: Im Hafenviertel Chianalea haben sich bereits die ersten Touristen eingefunden. Sie möchten mit den Fischern auf die sogenannte „passerella“. Das traditionelle Boot für den Schwertfischfang erinnert etwas an einen schwimmenden Telegrafenmast. Eine perfekt austarierte Konstruktion, die es so nur in Scilla gibt. 25 Meter ragt der Mast in der Mitte des Boots in die Höhe. Ein Steg am Bug schiebt sich an die 30 Meter nach vorne über die Wasseroberfläche.

Die Jagd auf den Schwertfisch

La caccia al pesce spada hat in Scilla Tradition. Über Generationen hinweg haben die ortsansässigen Fischerfamilien damit ihren Lebensunterhalt verdient. „Den Schwertfisch fängt man nicht, den Schwertfisch muss man jagen“, erklärt Fortunato Polistena den Touristen am Hafen und setzt nach, es sei ein Kampf auf Augenhöhe, weil der Schwertfisch ein außergewöhnlich intelligenter Fisch sei, der genau wisse wie er seinen Jägern entkommen könne. Im Ortsteil San Giorgio zeugt ein Denkmal vom Kampf zwischen Mensch und Fisch: Ein muskulöser Männerkörper in ewiger Umarmung mit dem Meerestier. Fortunato Polistena ist Spross einer Fischerfamilie und Besitzer einer der beiden letzten passerelle, die in Chianalea von einst vierzehn noch übrig geblieben sind. Aller Tradition zum Trotz ist die Schwertfischjagd in Scilla ein aussterbender Beruf. Der Verdienst ist gering. Tagein tagaus rund 10 Stunden auf dem Meer – meist unter gleißender Sonne – sind hart. Und wenn der schlaue Fisch seine Jäger austrickst, winkt am Ende des Tages noch nicht einmal der magere Erlös aus dem Verkauf des Fangs. Zahlende Touristen mit auf die Schwertfischjagd zu nehmen, ist der Versuch, die Leidenschaft fürs Fischen auch in wirtschaftlich schweren Zeiten weiterleben zu können. Um den Schwertfisch zu jagen, steht ein Fischer ganz oben auf der Mastspitze. Er ist Späher und Steuermann. Sichtet er einen Schwertfisch, gibt er dem Bootseigner Signal. Dem gebührt dann die Ehre, den Fisch vom Steg aus zu harpunieren. War die Jagd erfolgreich, wird der Schwertfisch so lange am Harpunenseil neben dem Schiff hergezogen bis seine Kräfte nachlassen und er an Bord gewuchtet werden kann. Eine kräftezehrende Arbeit bei einem Durchschnittsgewicht von knapp 40 Kilo und einer Länge, inklusive Schwert, von rund zwei Metern.

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Chianalea
Im traditionellen Fischerviertel Scillas Chianalea wirken die Häuser, als wüchsen sie direkt aus dem Meer. Wer hier wohnt, hat das Boot im Keller vertäut, und das Meerwasser schwappt an stürmischen Tagen bis an die Wohnzimmerfester im ersten Stock. Da muss die Hausfrau nicht einmal zum Fischhändler, wenn zum Mittagessen Meerestier auf dem Speiseplan stehen soll. „Wenn der Oktopus zur Eiablage bis an den Haussockel kommt, gehe ich mit der langen Gabel raus und hole mir einen direkt aus dem Wasser“, erzählt Teresa Vita und fachsimpelt mit ihrem Bruder darüber, wie dem Oktopus am besten der Garaus zu machen sei, bevor er im Kochtopf landet. Eigentlich helfe nur ein beherzter Biss an die richtige Stelle zwischen die Augen des Oktopus und der sterbe schnell und schmerzlos, sind sich die beiden einig. Teresas Bruder Antonio Vita war Anfang der 2000er Jahre zehn Jahre lang Vizebürgermeister in Scilla und als Tourismusdezernent für die Entwicklung des Tourismus zuständig. Das Vorhandene instand setzen und dann gezielt damit punkten, lautete damals seine Devise. In deren Folge hat sich das Fischerviertel Chianalea als Dorf erneuert. Häuser und Sträßchen sind top in Schuss. Zum Castello dei Ruffo führt eine mit originalen Pflastersteinen restaurierte Zufahrtsstraße. Das Castello thront auf einem imposanten Felsen und trennt Chianalea von der Marina Grande, dem Badeviertel mit breitem Sandstrand. Im Castello erklärt ein kleines, aber liebevoll eingerichtetes Museum die Fischertradition. Auch „il luntre“ kann dort besichtigt werden: Der hölzerne und viel kleinere Vorläufer der „passerella“, mit einem an die vier Meter hohen Mast und von Ruderern angetrieben, war noch bis Ende der 1950er Jahre in Benutzung.

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TIPPS
Abends durch die Gässchen Chianaleas bummeln und eines der typischen Schwertfischgerichte probieren.

Bei der Fahrt auf der „passerella“ die Sonnencreme nicht zu Hause vergessen!

Informationen:
www.chianalea.it

Teilnahme an der Schwertfischjagd über B&B Casa Vela anfragen oder direkt bei Fortunato Polistena. Tel: 340/9033405

B&B Casa Vela in Chianalea. Appartements mit Kochnische. Familiäre Unterkunft mit angegliederter Wein-Bar, in der es lokale Spezialitäten gibt. Der Shuttelservice in der Ape von und zum Bahnhof sind ebenso im Preis inbegriffen wie das Glas Wein zur Begrüßung und auf Wunsch jede Menge Infos rund um Chianalea.
www.casavelascilla.it

B&B Marina Grande. Familiäres B&B mit farbenfrohen Zimmern, unweit des breiten Sandstrands im Ortsteil Marina Grande.
www.bbmarinagrande.it