Mit dem Boot in den Valli di Comacchio


Text & Bilder: Nicoletta De Rossi

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Unterwegs mit dem Boot in den Valli di Comacchio entdeckt man die einzigartige Lagunenlandschaft und eine bezaubernde große Kolonie von Flamingos.

Die Lagune von Comacchio färbt sich nicht nur beim Sonnenauf- und -untergang zart rosa. Auf einer Bootsfahrt in den sogenannten Valli di Comacchio bewundert man rosa Farbtupfen aus Gruppen von Flamingos majestätisch fliegend oder gemütlich im Wasser stehend. Die maximale Tiefe der Lagune liegt hier um 1,50 Meter, aber oft sind es nur 40 cm! 1993 wurden die ersten Flamingos hier beobachtet, inzwischen lebt hier die zweitgrößte Kolonie Italiens. Wenn sie ihre Flügel ausbreiten, hört man Rufe der Bewunderung aus jeder Ecke des Bootes, wenn sich die Leute an Bord nach links und rechts wenden, um die eleganten Vögel nicht zu verpassen, wenn sie abheben. Von diesen faszinierenden Bildern scheint keiner genug zu bekommen.
Die Farben an diesen Nachmittag vom Anfang Frühling sind so klar, dass die Konturen des Wassers und der Lagunenvegetation fast gemalt zu sein scheinen. Das Boot nähert sich einer kleinen Gruppe von „casoni“, den Häusern der „vallanti“, wie die Fischer in der Lagune von Comacchio genannt wurden. Die Lagune erstreckte sich Ende des 19. Jahrhundert auf 51.000 ha und beschäftigte Hunderte von Aalfischern – nach der jüngsten Trockenlegung der 1960er Jahre sind es heute nur noch 11.000 ha. Der Aalfang hat hier Tradition bis zurück in die Römerzeit! Die beliebte und weltweit geschätzte Spezialität wurde damals überallhin exportiert. Anfang des 20. Jahrhundert gab es knapp noch 100 casoni, heute nur noch 10, und sie sind mittlerweile zu Museen geworden.

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Das Leben in der Lagune
Das Boot ankert vor einem casone, und wir steigen aus. Der Boden ist sehr feucht, teilweise nass, kein Wunder, denn wir stehen auf einer kleinen Landzunge inmitten der Lagune! Die Ausstattung des ehemaligen Fischerhauses ist sehr arm, denn Feuchtigkeit und Salz zerfressen hier alles – damals auch die Körper der Fischer. Die Lebensbedingungen für die Fischer waren in den feuchten Gebieten extrem hart. Im Inneren des casone entdecken wir an der Decke der Küche einen hohen Balken, an dem Geschirr mit Lebensmitteln hing – mit Absicht so hoch, damit die Ratten den Vorrat nicht erreichen könnten. Die Sonne neigt sich langsam dem Horizont entgegen, und das Wasser spiegelt die wunderschönen Farben des Himmels wider. Zurück an der Stazione Foce verabschieden wir uns von den sogenannten „padelloni“, den Fischfanggeräten mit großen Netzen, die hier den Kanal schmücken. An der berühmten Brücke „Trepponti“ von 1634 ist die Stimmung sehr romantisch, als die Schatten die Altstadt von Comacchio in Besitz nehmen – und die Wasserreflexe jeden träumen lassen.

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TIPP
Manifattura dei Marinati
Im Museum der Aalenfabrik dreht sich alles rund um die Aale. Hier bekommt man eine klare Übersicht über die traditionelle Herstellung der berühmten Spezialität anguilla marinata, die Slow-Food Präsidium ist. Unter anderem sind auch die „marote“ ausgestellt, spezielle Boote mit Löchern, denn die Aale mussten nach dem Fang noch eine Weile am Leben erhalten werden.  Via Mazzini 200, Comacchio, Tel. + 39 0533/81742
www.imarinatidicomacchio.it

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TIPP
Museum Delta Antico
Im ehemaligen Krankenhaus degli Infermi untergebracht, besticht das Museum mit seinen interessanten Funden, welche die alte Geschichte der Stadt zeigen, die wahrscheinlich von den Etruskern gegründet und bereits in den Kapitularien des langobardischen Königs Liutprand 715 n. Chr. als Stadt erwähnt wurde.
 www.museodeltaantico.com

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Bootsfahrt in die Valli di Comacchio
Verschiedene Bootsausflüge, um die Lagune von Comacchio am besten zu entdecken.
www.podeltatourism.it

Il Bettolino di Foce
In urigem Ambiente bietet das Restaurant schmackhafte und frische Fischspezialitäten, die traditionell zubereitet werden.
Stazione Foce, Tel. + 39 344/0571330