Das weiße Gold von Cervia


Text & Bilder: Nicoletta De Rossi

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Der moderne Badeort ist schon lange zu einem Magneten für Strandurlauber aus ganz Europa geworden. Cervia war aber bereits in der Antike bekannt: wegen seiner Salzproduktion.

Bunte Fischerboote schaukeln leicht am Porto Canale von Cervia unter der frühlingshaften Sonne, die Fischernetze sind gut in großen bunten Kisten aufbewahrt, während Möwen tief vorbei fliegen. Vom Turm San Michele aus kann man deutlich die Wasserstraße verfolgen; auf der anderen Seite sieht man den Canale delle Saline, der bei der Salina di Camillone mündet. Die Saline ist heute die südliche Station des Regionalparks des Po-Deltas und die Freiluft-Anlage des Salzmuseums MUSA. Im ehemaligen Salzlager Magazzino del Sale Torre untergebracht, zeigt es ein wichtiges Stück der Geschichte von Cervia. Durch Unterlagen, Geräte, Werkzeuge und Bilder veranschaulicht diese Dauerausstellung die Arbeit in den Salinen und die Bedeutung des Salzes für die Stadt. Bereits in der römischen Zeit war Cervia wegen der Salzgewinnung bekannt. Hier wird heute noch ein besonders zartes, weiches und wertvolles Salz, das sogenannte sale dolce (süßes Salz), hergestellt.

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Bunte Segel am Kanal
Ein Spaziergang an der Wasserader des berühmten Badeortes ist nicht nur ein Muss, sondern auch ein echtes Erlebnis. Der Porto Canale wird von verschiedenen Lokalen geschmückt. An den Häusern, die auf den Kanal blicken, sind unterschiedliche Zeichnungen mit den typisch bunten Segeln von Cervia als Hausnummern zu sehen.
Am Circolo Pescatori Cervia La Pantofla muss ich anhalten. Es ist inzwischen Mittagszeit, und hier duftet es nach Fisch. Leute stehen Schlange vor diesem urigen Lokal, um einen Platz zu bekommen. Innen ist die Stimmung herrlich, obwohl das Lokal sehr voll ist. Ich entdecke eine Wand voll mit bunten Segeln bemalt, eine Schenke in der Form eines Ruders an der Bar und die Ecke „Amarcord“: Der Name versetzt mich zurück in die Vergangenheit, als der berühmte Regisseur Federico Fellini 1973 sein Meisterstück in seiner nahen Heimaststadt Rimini drehte. Der Service ist einfach, aber die Gerichte sind traumhaft lecker!
Nach dem üppigen Mittagessen laufe ich weiter Richtung Meer. An dem 9 km langen Sandstrand von Cervia werden auch in der Nebensaison viele Veranstaltungen organisiert: Im April zum Beispiel findet hier ein wunderbares Drachenfestival statt, und heute sind Pferde am Strand zu sehen. Unzählige Muscheln bedecken die Strandlinie. Die Zeit vergeht schnell beim Spaziergehen am Meeresufer, und ich gönne mir einen Aperitif in einem Lido am Strand. Zurück ins Zentrum erlebt man das Cervia Nuova. Die junge Stadt wurde erst 1698 nach der damaligen typisch quadratischen Barockplanimetrie gegründet: Kathedrale und Palazzo Priorale (das aktuelle Rathaus) liegen am Hauptplatz gegenüber. Ein besonderes Flair genießt man auch rund um den Platz: Hier entdecke ich einen Laden, wo man noch heute Druckformen handwerklich herstellt, mit denen man Stoffe bedrucken kann.

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TIPP
Antico Porto di Classe
Archäologie unter freiem Himmel erlebt man in der spätantiken Hafenstadt Classe, die in der römisch-byzantinischen Zeit bis 250 Kriegsschiffe zählte. Nach einem beeindruckenden Video im Centro Visite zeigen transparente Panoramaschilder bei den Ausgrabungen, wie der antike Hafen damals aussah.
www.anticoportoravenna.it

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Touristinformation IAT Cervia, Turm San Michele, Via Evangelisti 4, Tel. +39 0544/974400

www.cerviaturismo.it

Salzmuseum und Salina Camillone
In der 827 Hektar großen Saline lassen sich viele Vögel beobachten, darunter auch Kolonien von rosa Flamingos.
www.salinadicervia.it
Das Salzmuseum MUSA ist zwischen Juni und September jeden Abend geöffnet.
www.musa.comunecervia.it

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La Pantofla
Urige Fischküche am Porto Canale im traditionellen Ambiente.
www.circolopescatoricervia.it

Fantini Club
Restaurant, Bar, Spa und Strand am Lungomare G. Deledda: Aperitif mit leckerem Fingerfood.
www.fantiniclub.com

C’era una volta
Per Hand bedruckte Stoffe.
Via Mazzolani 15, Tel. + 39 0544/971234
http://www.teleromagnole.com/index.php


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