Die Calanchi und Craco


Text und Bilder: Nicoletta De Rossi

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Rund um die UNESCO-Weltkulturerbe-Stadt Matera entdeckt der Besucher die wüstenartigen und hügeligen Calanchi und die Geisterstadt Craco.

Der dunkle Himmel scheint fast herunterzufallen, so schwer scheinen heute die Wolken: Unter ihm erstrecken sich die Calanchi, eine zauberhafte Mondlandschaft im Südwesten der Region Basilikata. Es droht ein Gewitter in der schwermütigen einsamen Gegend, die an das karge Kappadokien und sogar an die Wüsten Arizona erinnert. Trotzdem fahren wir Richtung Craco, das wir bereits auf einem Hügel entdeckt haben.
Durch Witterungseinflüsse entwickelten sich die brüchigen lehmartigen Böden zu einzigartigen Landschaften mit natürlichen spitzen Türmchen und tiefen Schluchten, den Calanchi. Es überrascht daher nicht, dass sie als einzigartige Kulisse für viele Filme mit dramatischer oder exotischer Handlung ausgewählt wurden.
Umgeben von dieser Landschaft liegt die Geisterstadt Craco, die von ihren Einwohnern nach einem Erdrutsch verlassen wurde. Der höhere Teil des Dorfes wurde im Mittelalter auf einem Felsen erbaut, die anderen Stadtteile dagegen auf dem für diese Region typischen lehmartigen Boden, der in den 1960er Jahren urplötzlich abrutschte.

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Calanchi 6 _NDR_2
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Auf Erkundung durch die Geisterstadt Craco
Ganz oben, in fast 400 Meter Höhe, thront ein normannischer Turm von 1060, der einst als Gefängnis diente. Die Führung durch die Stadt beginnt aber auf der ehemaligen Straße Corso Umberto I: Beim Hinaufsteigen trifft man auf zerrissene Häuser, die in ihrem Inneren blaue Wände zeigen. In der Vergangenheit wohnten durchschnittlich in jedem Haus zehn Personen, mit Eseln und Schweinen, die unter dem Bett schliefen. Bei der Führung geht man durch das gespenstische Dorf nach oben. An jeder Ecke öffnen sich dabei atemberaubende Ausblicke auf die umgebende Landschaft, und man sieht bereits die schöne Kuppel der einstigen byzantinischen Hauptkirche San Nicola. Der Erdrutsch, welcher das Leben im Dorf unmöglich machte, begann 1963. Damals fingen die Einwohner an, das Dorf nach und nach zu verlassen, bis es Anfang der 1980er Jahre komplett leer stand und verwahrlost war. In den Jahren fast vergessen waren die Reste der Häuser dem Vandalismus ausgesetzt. Seit einigen Jahren ist Craco aber Ziel einer zunehmenden Zahl von Touristen, die auf der Suche nach besonderen Erlebnissen in außergewöhnlichen Orten sind. Ein Museum und die täglichen Führungen durch die Geisterstadt sind daher auch eine Bestätigung, dass das Gespenstische die Menschen schon immer faszinierte und anlockte!

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TIPP
Der Ort wurde Bühne verschiedener Filme, wie beispielsweise „Christus kam nur bis Eboli“ von Francesco Rosi (1979), „Die Passion Christi“ von Mel Gibson (2004) oder „Basilicata coast to coast“ von Rocco Papaleo (2010).

Parco Museale scenografico di Craco. Craco kann man nur mit Führer besuchen, ab 9.30 Uhr bis Sonnenuntergang, Tel.329/569#75#88, www.comune.craco.mt.it
www.basilicataturistica.it


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