Bergamotte: Unverwechselbar in Duft und Geschmack


Text und Bilder: Maren Recken

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Über 95% der weltweit angebauten Bergamotten stammen aus der süditalienischen Region Kalabrien: Wir waren zu Besuch in einer Bergamotte-Plantage.

Aus der Schale der Bergamotten gewinnt man ein ätherisches Öl mit über 350 Aromen, zitronigen, frisch-würzigen Duftnoten her. Bereits Ludwig XIV. und sein Hofstaat schätzen das Bergamotte-Öl. 1704 wurde es, als Bestandteil des „Aqua Admirabilis“, zur Herstellung des ersten Eau de Toilette verwendet, aus dem später das bekannte „Kölnisch Wasser“ wurde. Und noch heute wird das Bergamotte-Öl in vielen Parfumkreationen und Kosmetikprodukten verwendet. Rund 200 Kilogramm Früchte braucht es, um einen Liter davon herzustellen.

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Bergamotten aus Kalabrien
1750 hat der Italiener Nicola Parisi den Grundstein zur Kommerzialisierung des Bergamotte-Anbaus geschaffen und die erste Bergamotte-Plantage angelegt. Unweit des öffentlichen Strandbads von Reggio Calabria. Rund drei Kilometer Luftlinie davon entfernt, in den Bergen, mit Blick aufs Meer, liegt der landwirtschaftliche Betrieb von Francesco Gangemi. Der hat sich dem Bergamotte-Anbau mit Herz und Seele verschrieben und stellt in Eigenproduktion verschiedenste Produkte auf Bergamotte-Basis her. „Viele verschiedene Produkte, in kleinen Mengen, alles Bio, hausgemacht und eigenvermarktet“, ist seine Betriebsphilosophie. Die Auswahl reicht von Limonaden, Säften und Tees, über Marmeladen und Nahrungsergänzungsmittel bis hin zu Cremes und Seifen. Das berühmte Olio Essenziale di Bergamotto inbegriffen.
Contrada Limbone und dann nach links. In Spitzkehren eine kleine, enge Straße hinunter, die sich den Berghang entlang schlängelt: Wer nicht weiß wo er hin muss, kommt ins Zögern, trotz Navi. Francesco bringt mich die letzten Kilometer im seinem Auto und macht gleich auf die Besonderheiten des tiefeingeschnittenen Bergtals, das sich in imposanter Schönheit darbietet, aufmerksam. „Einst war hier Urmeer“, erklärt Francesco während er sich bückt und als Beweis eine der Muscheln aufhebt, die aus dem sandig-lehmigen Boden am Wegesrand hervorblitzen. Dann führt er mich zu seinen Bergamotte-Bäumen. Die hängen Ende Januar voller Früchte. Von Oktober bis März ist Erntezeit. “Bei mir auch oft bis Ende April/Anfang Mai weil ich etwas höher liege“, sagt Francesco. Er zeigt mir die neu angepflanzten Bergamotte-Bäumchen, sie stehen auf entlang des Berghangs frisch angelegten Terrassen. Unten ein kahles Stämmchen Bitterorange, obendrauf gepfropft der Bergamotte-Schössling, mit kräftigen grünen Blättern. „Der Bergamotte-Baum wächst nur, wenn er auf Bitterorange gepfropft wird. Wenn man Bergamotte-Samen sät, wächst Bitterorange“, erklärt Francesco eine Besonderheit der Bergamotte.

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Das Consorzio di Tutela del Bergamotto di Reggio Calabria
In der zweiten Hälfte des 18. und im gesamten 19. Jahrhunderts hat die Bergamotte wegen der starken Nachfrage nach Bergamotte-Öl die Provinz von Reggio Calabria wirtschaftlich nach vorne gebracht hatte. Bis 1908 ein Erdbeben die Stadt Reggio Calabria und deren Umgebung zerstörte. Der Bergamotte-Anbau kam so gut wie zum Erliegen. Zusätzlich versuchte in den 1960er bis 1980er Jahren die chemische Industrie, ein synthetisches Bergamotte-Öl auf dem Markt zu platzieren und dem natürlichen Bergamotte-Öl aus der Gegen von Reggio Calabria den Rang abzulaufen. „Damals wurde die gezielte Falschinformation verbreitet, dass das natürliche Bergamotte-Öl krebserregend sei“, erzählt Ezio Pizzi. Der Rechtsanwalt ist Vorsitzender des Consorzio di Tutela del Bergamotto di Reggio Calabria. Ein 2007 von Bergamotte Großproduzenten, Verarbeitungs- und Abpackbetrieben gegründetes Konsortium, das sich den Schutz des Bergamotte-Öls auf die Fahnen geschrieben hat. „Nach dem Einbruch kam der Aufschwung“, sagt Pizzi, „zuerst wurde wissenschaftlich widerlegt, dass natürliches Bergamotte-Öl krebserregend ist und seit 2001 ist das ‚Bergamotto di Reggio Calabria – olio essenziale`, ein DOP Produkt“. Ein per Verordnung der Europäischen Union in seinem Ursprung geschütztes Produkt, dessen Herstellung auf eine bestimmte geografische Region beschränkt ist und nur nach bestimmten Verfahren erfolgen darf.
Pizzi stammt selbst aus einer Landwirtsfamilie und liebt, wie er sagt, die Herausforderung, die Bergamotte aus der Gegend um Reggio Calabria zu pushen, wegen der vielen Vorteile: „Bergamotte wirkt cholesterin- und blutzuckersenkend, antiseptisch und schmerzstillend“, zählt er einige der gesundheitsfördernden Eigenschaften der Bergamotte auf. Außerdem ließe sich mit Bergamotte gut kochen. „Marinade für Carpaccio mit Bergamotte beispielsweise ist viel besser als mit Zitrone“, ist Pizzi überzeugt. „Bergamotte bringt den Eigengeschmack von Fleisch und Fisch viel besser zur Geltung“, pflichtet ihm Francesco Gangemi bei.

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Kolumbus und die Bergamotte
Kolumbus soll die Bergamotte nach Italien gebracht haben, sagen die einen. Sie kam aus China oder Griechenland, die anderen. „Die wahrscheinlichste Erklärung ist, dass es sich bei der Bergamotte um eine genetische Mutation der ‚limon pusillus calaber‘ handelt, eine heute nicht mehr existente Zitronenart aus dem Süden Kalabriens, ist Francesco Gangemi überzeugt. Fakt ist: Über 95% der weltweit angebauten Bergamotten stammen aus Kalabrien. Genauer aus einem rund 100 Kilometer langen Streifen entlang der Ionischen Küste in der Provinz Reggio Calabria.

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