Die wunderbare Certosa di Pavia


Text und Bilder: Nicoletta De Rossi

Auf halbem Weg zwischen Mailand und Pavia gelegen sollte man einen Besuch der Certosa di Pavia auf keinen Fall versäumen.

Schon von weitem sieht man die Silhouette der Certosa di Pavia majestätisch aus der Ebene herausragen. Die roten Ziegelsteine der Kirche, die knapp acht Kilometer nördlich von Pavia liegt, heben sich deutlich vom blauen Himmel ab. Nach Mailand ist es von hier aus auch nicht mehr weit. Einst befand sich die Certosa am Nordende eines enormen Schlossparks, das sich von der Stadt Pavia aus unterbrochen bis zur Kartause erstreckte. Die Arbeiten für diese „Zitadelle“, zu der noch eine Klosteranlage und eine Basilika gehören, zogen sich vom 14. bis in das 16. Jahrhundert hin.
Eine lange Allee führt heute zum Eingang, davor reiht sich Verkaufsstand an Verkaufsstand, denn die Kartause ist seit Jahren zum touristischen Magneten der Provinz Pavia geworden.

Eine Basilika für die Herzöge Mailands  
Die Fassade der großartigen Basilika Santa Maria delle Grazie (Unsere Liebe Frau von der Gnade), die der Mailänder Herzog Gian Galeazzo Visconti 1396 von Bernardo da Venezia errichten ließ, erkennt man schon von der ersten Vorhalle aus; von der zweiten Vorhalle kann man sie schon besser sehen: Hier entdeckt man das erste Mal das Monogramm GRA-CAR (GRA für Gratiarum) (CAR für Carthusia), das die Basilika kennzeichnet. Wir gehen hindurch und erreichen einen rechteckigen großen Platz. Die Kirche mit ihrer wunderschönen Marmorfassade steht jetzt genau vor uns. Wir nähern uns, um deren fantastischen Schmuck besser bewundern zu können: Es ist eine unbeschreibliche Pracht an Logen, Skulpturen, Reliefs, Säulen, Medaillons, Kapitellen und zahlreichen anderen architektonischen Elementen aus polychromen Marmor. Das Säulenportal lässt einen mit offenem Mund staunen: Zwischen 1501 und 1508 verzierte Benedetto Briosco es und schaffte so ein Juwel der Renaissancezeit, das seinesgleichen sucht.
Der großartige Innenraum erinnert an den Mailänder Dom, aber hier blickt man oben auf ein mit Sternen bemaltes Gewölbe. Ein geschlossenes schmiedeeisernes Gittertor trennt das Querschiff ab, das den Familien Visconti und Sforza gewidmet ist, wo sich das Grabmal von Ludovico il Moro und Beatrice d’Este sowie das von Gian Galeazzo Visconti befinden. Beeindruckend sind auch der Chor mit seinen geschnitzten und mit Intarsien verzierten 42 Sitzen und der prunkvolle Altarraum.
Der Eintritt der Besucher wird von den Mönchen streng geregelt, und so kann es geschehen, dass man einige Minuten warten muss, bis man eintreten darf.

Die Klosteranlage der Zisterzienser
In der Klosteranlage der Certosa lebt heute noch eine kleine Gemeinde von Mönchen des Zisterzienserordens. Von der Kirche aus gehen wir zum kleinen Kreuzgang (1462-1470), der dank der unzähligen Terrakottaverzierungen beeindruckt. Wir blicken unwillkürlich nach oben, und der Farbenkontrast zwischen der Architektur und dem wolkenlosen Himmel lässt einem den Atem stocken. Ebenso faszinierend ist der Blick auf den großen Kreuzgang. Schon seit 1514 stehen hier 23, heute leere Zellen, wo die Mönche in der Vergangenheit wohnten. Wir können uns gut vorstellen, dass dies früh am Morgen und abends, wenn die Kartause geschlossen ist, ein wunderbarer Ort der Ruhe ist.

Die Certosa di Pavia kann man auch auf einem Radweg erreichen, der Mailand mit Pavia am Naviglio Pavese entlang verbindet.

In dem Klosterladen werden unter anderem verschiedene Kräutertees von den Zisterziensern verkauft.
www.certosadipavia.it