Vieste: Königin des Gargano


Text: Nicoletta De Rossi     •    Bilder: Harald G. Koch

Lange Strände, eine schöne Altstadt mit einer lebendigen Flaniermeile und einer leckeren Küche, die Trabucchi und der Pizzomunno: Das apulische Vieste im Gargano begeistert seine Besucher.

Wenn man auf der Küstenstraße SP 53 des Gargano von Mattinata nach Vieste fährt, trifft man auf viele wunderschöne Buchten. Am Turm San Felice halten wir und genießen den atemberaubenden Blick auf den Architiello. Wir versuchen diesem Wunder der Natur, einem der Wahrzeichen dieser Küstenstrecke, näher zu kommen und können so das durch die Witterung entstandene Loch im Kalkfelsen besser beobachten. Ein Mann sitzt vor dem Turm und putzt Zwiebeln, die er in Gläsern einlegt und zum Verkauf anbietet – die typisch italienische Kunst des Improvisierens ist auch hier Realität. Die kurvenreiche Küstenstraße schlängelt sich der Küste entlang, bis man den 4 Kilometer langen Strand Scialara (auch Castello genannt) erblickt. Der feine goldene Sand glitzert unter der Sonne, während uns der Kontrast zwischen den bunten Sonnenschirmen und dem Himmel begeistert. Am Anfang ist der Strand noch wilder und mit Felsen verziert; je mehr man sich der Stadt nähert, desto mehr Hotels, Häuser und Campingplätze dominieren das Küstenbild am Lungomare Enrico Mattei, der den Scialara flankiert. Hier gibt es viele Parkplätze und bequeme direkte Zugänge zum Strand.

Der Pizzomunno und die Altstadt
Ganz am Ende des Strandes ragt der weiße Pizzomunno aus dem Wasser gen Himmel. Das ungefähr 25 Meter hohe Wahrzeichen der Stadt ist von der Ferne nicht gleich zu erkennen, weil sich der riesige helle Monolith aus Stein kaum von der hinteren Felswand unterscheidet. Mit dem Pizzomunno verbinden die Einheimischen eine sagenumwobene Liebesgeschichte zwischen dem Fischer Pizzomunno und der schönen Cristalda, die eifersüchtige Sirenen im Meer ertränkten, weil sich der schöne Fischer von ihnen nicht verführen ließ. Wegen des unerträglichen Schmerzes wurde Pizzomunno zum riesigen Felsen. Alle hundert Jahre taucht Cristalda wieder auf, um ihren Geliebten noch einmal umarmen zu können. Auf der kleinen Landzunge hinter dem Pizzomunno liegt die Altstadt von Vieste mit ihren kleinen und engen Gassen, den typisch weißbemalten Häusern und malerischen Ausblicken auf das Meer. An diesem spektakulären Felsenvorsprung entdecken wir die schlichte Abteikirche San Francesco und einen alten Trabucco, der vom Meer aus besser zu bewundern ist – besonders bei Sonnenuntergang – und auch ein Muschelmuseum mit unzähligen Muscheln aus der ganzen Welt. Im alten Stadtkern liegen zudem noch die Kirche Santa Maria Assunta und das von ihr nur 100 Meter entfernte Castello.

Auf der Flaniermeile und am Hafen
Wir merken, dass die Steine des Bürgersteiges fast glatt sind – vielleicht von den vielen Füßen, die hier schon flaniert sind? Gegen Mittag und am Abend treffen sich alle auf der Flaniermeile, dem Corso Fazzini – in der warmen Jahreszeit, sogar bis spät in der Nacht! Wir nehmen einen Aperitif mit Meeresblick und gehen langsam Richtung Restaurant, wo wir mit einem leckeren Fischmenü verwöhnt werden. Von hier aus ist nicht mehr weit bis zum Hafen Viestes. Die Fischernetze liegen bereits in den Fischerbooten, während eine Privatflotte Ausflüge an der Küste entlang bietet. Ein Schild am Hafen erinnert den Besucher daran, wie wichtig es sei, auf Plastikobjekte zu verzichten, bzw. diese nicht im Meer oder am Strand zu lassen. Wir laufen Richtung Marina Piccola wieder und genießen den Blick auf den Leuchtturm auf der kleinen Insel Sant’Eufemia und auf die felsige Landzunge San Francesco.

Ristorante Box 19  Via S. Maria di Merino 13 – Tel. + 39/0884-705229
Leckere Fischspeisen in der apulischen Tradition.


Auch diese Artikel könnten Sie interessieren:

Gargano: von Vignanotica bis Baia delle Zagare
Gargano: das Meer am Sporn Italiens