Hauptsache Italien!


Interview: Nicoletta De Rossi   •   Bild: privat, © Franziska Steyer

Yvonne Coulin, Geschäftsführerin der Congress- und Tourismus-Zentrale Nürnberg, kennt sich in Bella Italia sehr gut aus: Dort hat sie Freundschaften fürs Leben geschlossen.

Mit dem Nachtzug von Heidelberg nach Rimini fuhr Yvonne Coulin das erste Mal nach Italien:Mit sechs Jahren entdeckte sie Bella Italia an der Adriaküste, wo sie die nächsten zehn Jahre noch ihren Sommerurlaub verbrachte. „Wie im Refrain des berühmten italienischen Songs „Stessa spiaggia, stesso mare“ (gleichen Strand, gleiches Meer)“? „Ja, und stesso albergo (gleiches Hotel),“ fügt die erfolgreiche Geschäftsführerin der Nürnberger Congress- und Tourismus-Zentrale hinzu, welche die italienische Sprache perfekt und akzentfrei beherrscht. „Mit den ehemaligen Jungs, den Kindern der Hotelbesitzer, bin ich heute noch befreundet,“ erzählt sie weiter.
„Italien ist ein Gefühl. Nach dem erste caffè auf der italienischen Strecke der Brennerautobahn fühle ich mich schon wohl,“ sagt Coulin, die ihre italienische „Heimat“ in Sant’Arcangelo di Romagna hat. Dies ist ihr Lieblingsort auf der Halbinsel, denn hier hat sie gute alte Freunde, kennt sich blind aus und wenn sie auf der Piazza ist, fühlt sie sich geborgen, fast wie zuhause.
Florenz, Arezzo, die adriatische Küste und das Innere der Emilia Romagna sind Orte und Regionen, die sie sehr ansprechen, genauso wie Perugia, wo sie sechs Monate lang Italianistik studierte. Für diejenigen, die Bella Italia das erste Mal besuchen, hat sie ein paar Must-Sees in Petto: Venedig, Rom, Pisa und Palermo. Aber genauso so wichtig, um Italien zu erleben, sind die Must-Dos: „Einen caffè mit cornetto zum Frühstück auf der Piazza genießen: Das ist Italien. Auf der Piazza spielt sich das Leben dort ab, denn die Piazza ist der Ort des Beisammenseins,“ behauptet Coulin, die gut weiß, wie Italiener denken und ticken.
Auf der Frage, was Italiener besser machen könnten, antwortet sie nachdenklich, dass Nachhaltigkeit, Mülltrennung und Plastik wichtige Themen sind, mit denen sich Italiener intensiver und dringend beschäftigen sollten, um schnell tragbare und nachhaltige Lösungen zu finden.

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Italiener lieben Nürnberg
Das Gefühl „sentirsi bene“ wird aber auch umgekehrt geteilt, denn viele italienische Besucher fühlen sich in Nürnberg wohl. „Vor allem Norditalien und Bayern haben große Affinitäten,“ sagt die erfahrene Tourismus-Expertin, die dazu sagt: „Viele Italiener behaupten, dass in Nürnberg `si mangia bene´ (man isst gut). Der Nürnberger Stadtkern kommt ihnen familiär vor, dort fühlen sie sich geborgen.“ Es ist daher kaum eine Überraschung, dass Italiener mit 70.000 Übernachtungen im Jahr den ersten Platz unter den europäischen Touristen in Nürnberg belegen. „Viele kommen geschäftlich nach Nürnberg wegen des großen Messeangebots, viele andere wählen die fränkische Metropole als Station aus. Die vielen direkten Flugverbindungen mit italienischen Destination runden das Angebot ab, und nicht zuletzt besuchen die Studenten, die an den Nürnberger Hochschulen Austauschprogramme wahrgenommen haben, unsere Stadt später immer wieder privat,“ sagt Coulin.
„Benissimo!“ sagen wir fast im Einklang. Die Vielfalt an italienischen Superlativen liebt Coulin. „Bellissimo, buonissimo, carissima…, wenn das nicht typisch italienisch ist, was sonst?“, fragt sich Yvonne Coulin, die sich mit „Hauptsache Italien!“ lächelnd verabschiedet.

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