Procida – Kleinod am Golf von Neapel


Text & Bilder: Susanne Wess

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Seit jeher steht die Insel – völlig zu Unrecht – im Schatten ihrer glanzvollen und berühmten Schwester Capri und Ischia. Doch gerade dieses Schattendasein hat der kleinen Insel sehr gut getan.

Auf Procida gibt es weder Massentourismus noch riesige Hotelburgen. Und genau dadurch konnte sich die Insel ihren einzigartigen nostalgischen Charme bis heute bewahren. Die kleine Insel hat eine Gesamtfläche von nur 4,14 qkm, ihre höchste Erhebung Terra Murata misst gerade einmal 89 Meter. Von hier aus hat man einen herrlichen Panoramablick auf das Meer und den malerischen bunten Hafen von Corricella.
Die Insel kann es mit ihren großen Schwestern Capri und Ischia in Sachen Schönheit in jedem Fall aufnehmen. Hier scheint die Zeit zwischen pastellfarbenen Häuserzeilen, bunten Fischerbooten und den schmalen Gassen, wo die Menschen gemächlich entlang schlendern, stehengeblieben zu sein. Hier gibt es keine Eile – alles ist zu Fuß zu erledigen, denn jeder Punkt auf Procida ist mit maximal 6000 Schritten zu erreichen. Wenn man am Hafen Marina di Sancio Cattolico mit der Fähre ankommt, ist man sofort entzückt von den bunten Häusern, die sich wie ein neapolitanisches Krippenspiel aneinanderreihen und ein bezauberndes nostalgisches Flair versprühen.

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Und schon bald spürt man: Auf der kleinen Inseln ticken die Uhren langsamer. Die rund 12.000 Inselbewohner bewegen sich mit knallfarbenen Vesparollern, zu Fuß oder mit dem Fahrrad vorwärts, erledigen ihre Einkäufe in den kleinen Geschäften der Via Vittorio Emanuele, und dabei ist immer Zeit für einen Schwatz oder einen caffè in einer der umliegenden Bars. Die wenigen Touristen haben sich diesem Rhythmus angepasst, sie gehen ganz gemütlich zu Fuß zu ihrer Herberge oder lassen sich mit halboffenen Microtaxis an ihr Ziel bringen.

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Procida, deren Name auf den Arzt Giovanni da Procida aus dem 13. Jh. zurückgeht, ist von den großen Touristenströmen verschont geblieben, nur wenige Boutiquehotels und Privatvermieter bieten Fremden eine Unterkunft. Viele sind fasziniert und kehren oft auf die Insel zurück, wie einst auch die Schriftstellerin Elsa Morante, die hier ihren Romanerfolg „Arturos Insel“ ansiedelte. Die Urlauber lieben den kleinen Yachthafen Marina Chiaiole, wo einem in exzellenten Fischlokalen ein salziger Wind um die Nase weht oder die Sandstrände La Chiaia und La Chiaiolella, an denen sich in den Sommermonaten ein Großteil des Insellebens abspielt. Der von Tuffstein umrahmte Strand von Pozzo Vecchio erlangte indes eine ganz eigene Berühmtheit: Hier wurden einige Szenen des Films „Il Postino“ (Der Postmann) gedreht, jenes herzerwärmende Liebesdrama, bei dem ein einfacher Postbote mit den Gedichten von Pablo Neruda versucht, das Herz seiner Angebeteten zu erwärmen. Mit seinem 50er-Jahre Charme war und ist Procida bis heute die ideale Kulisse für diese und andere romantische Liebesgeschichten.

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Susanne Wess ist freie Autorin und Reisejournalistin. Die Münchnerin hat lange Zeit in Italien gelebt und sich auf Italien sowie auf Food- und Weinthemen spezialisiert.

Verbindungen nach Procida ab Neapel (etwa 1 Std; Tragflächenboot 30 Min.) oder Pozzuli (etwa 35 Min.).

La Casa sul Mare
Direkt über dem Hafen von Corricella liegt das kleine Hotel mit azurblauen Zimmern, Terrassen und einem Garten mit Meerblick.
www.lacasasulmare.it

Abbazia di San Michele
Die Abtei von 1026 wurde im 16. Jahrhundert wieder aufgebaut. Besonders sehenswert: die Bibliothek der Abtei und das kleine Beinhaus.

Istituto Nautico Fancesco Caracciolo
Zu einer der ältesten Seefahrtsschulen Italiens gehört ein wunderbarer Park mit Palmen und Bougainvilleen.

Sagra del Mare
Am letzten Juliwochenende findet das „Kirchweihfest des Meeres“ mit der Wahl der Inselschönheit statt.