Romantischer Lago Maggiore


Text & Bilder: Timo Lutz

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Der berühmte Lago Maggiore ist bis heute ein romantischer Traum, der sich in das kollektive Gedächtnis der alten Welt gebrannt hat.

Die Kurorte Stresa und Pallanza gehörten mit ihren bezaubernden Uferpromenaden einst zu den Pflichtetappen des Erb- und Geldadels. Denn im 19. Jahrhundert verbrachte die Prominenz des alten Kontinents ihren feudalen Urlaub in prächtigen Belle Époque-Villen und mondänen Parkanlagen, während fernab in der Heimat die bürgerlichen Revolutionen tobten. Nähert man sich Stresa, dem bekanntesten Seehafen des Lago Maggiore, ragen aus dem bombastischen Seepanorama mit den schneebedeckten Bergspitzen der Alpen die Borromäischen Inseln. Im 17. Jahrhundert ließen die ehemaligen Privatbankiers des Herzogtums Mailand aus öden Felsen einzigartige Märchenlandschaften erschaffen: Im Schutz der Alpen wachsen im Mikroklima der Botanischen Gärten der Isola Madre tropische Pflanzen und Bäume aus aller Herren Länder.

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Auf der Isola Bella thront ein Palast mit Spiegelgallerien, Ballsälen und Kunstsammlungen und einem großartigen barocken Terrassengarten. Einen halben Tag sollte man sich schon Zeit nehmen, um die einzigartigen Gärten auf sich wirken zu lassen, die sich bis heute im Privatbesitz der Familie Borromeo befinden. Wer weniger Zeit hat, sollte zumindest der kleinen Isola Superiore einen Besuch abstatten. Obwohl auf dem auch Isola dei Pescatori  (Fischerinsel) genannten Eiland heute kaum noch Fischer leben, wird in den unzähligen kleinen, romantischen Ausflugslokalen vor allem Süßwasserfisch serviert. Am schönsten ist es hier in den Abendstunden, wenn die Tagestouristen die kleine Insel verlassen, und man fast alleine durch die engen Gassen spazieren kann.

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Wer es etwas ruhig und abgeschieden mag, dem sei ein Ausflug an den Lago d’Orta empfohlen, der hinter dem schmalen, dicht bewaldeten Bergrücken des Monte Mottarone liegt. Der kleine See ist ganz anders als sein großer Bruder: Statt feudaler Villenpracht und Prunk herrscht hier mittelalterliches Flair. Er wurde einst von Bischöfen regiert, die in der Mitte des idyllischen, 13 km langen und nur 1,5 km breiten Sees eine Klosterinsel schufen. Die kleine Isola di San Giulio möchte ein Ort der Ruhe sein: Die Via del Silenzio umrundet das kleine Eiland und kleine Tafeln regen zur Meditation an. Den schönsten Blick auf den See hat man vom Heiligen Berg von Orta aus, der mit seinen zwanzig Wallfahrtskapellen und lebensgroßen Terrakottafiguren die Vita des Heiligen Franz von Assisi erleb- und anfassbar machen soll – einige der Kapellen zählen zu den bedeutendsten Werken der Spätrenaissance und des Barock und wurden 2003 von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt.

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Timo Lutz ist Autor und Reisejournalist. Der gebürtige Schwabe lebt seit über 10 Jahren in Italien. Mehr Informationen über ihn hier: Timo Lutz

Das Westufer des zweitgrößten Alpensees mit den bekannten Seebädern Cannobio, Cannero Riviera, Stresa und Arona ist der bekannteste Teil des Lago Maggiore und gehört zur Region Piemont. Das weniger erschlossene Ostufer ist Teil der Lombardei und touristisch kaum erschlossen. Der Norden des Sees ist Teil des Tessins und gehört zu den schönsten Regionen des italienischsprachigen schweizerischen Kantons.

La Rampolina
Die urige Osteria von Davide, hoch über dem Lago Maggiore kommen auch die Einheimischen gerne zu Pasta, Pizza und Seefisch. Dazu gibt es einen fantastischen Blick von der Terrasse aus über den ganzen See und die Borromäischen Inseln. Zum Nachtisch locken würzige Käse aus den Ossola-Tälern.
www.larampolina.com

Relais Villa Margherita
Dolce Vita pur kann man in diesem kleinen Zauberschloss hoch über dem Lago Maggiore und nur wenige Kilometer südlich von Cannero Riviera erleben. Grüne Terrassengärten mit hohen Palmen und kleine Winkel zum Relaxen und Lesen, ein Pool für die Erfrischung zwischendurch – hier ist man am Ziel seiner Träume angekommen.
www.villa-margherita.it 

Formaggi di Eros
Die kleine Bottega am Hauptplatz von Intra ist ein Paradies für Feinschmecker: In der kleinen Wine Bar werden Köstlichkeiten aus dem Piemont serviert, Schinken und Käse frisch aufgeschnitten und Eros kommt gern persönlich zum Plausch vorbei. Würste, Reis, Wein, Grappa, Kekse, Eingelegtes und Eingemachtes sind handverlesen und fast alles kann man vor Ort verkosten.
www.formaggidieros.it

„Merian live!“ Piemont. Turin. Lago Maggiore
Der kleine, kompakte Reiseführer widmet ein ganzes Kapitel dem Lago Maggiore und gibt darüber hinaus Tipps zu den angrenzenden Regionen der Po-Ebene und des Biellese, den Westalpen sowie der Metropole Turin und der Weinregion Langhe und Monferrato.

Travel House Media 2016. 128 Seiten, 11,99 €
www.travel-house-media.de